interview

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, dieses Festival zu organisieren?
War das aus Interesse an Musik, seid ihr quasi aus der Hip Hop Szene heraus darauf gekommen, oder eher Queerfeministinnen die Bock hatten, ein Festival zu organisieren?

  • Viele von uns hören viel und gern hiphop. Wir legen hiphop auf, im Radio oder bei Partys, wir gehen zu hiphop Konzerten, etc. einige schon seit vielen Jahren.
  • Wir hatten Lust auf ein Festival, das Spaß macht, mit tollen Leuten, Musik zum Tanzen und Workshops und einer solidarischen Atmosphäre, das auf die Anwesenden eine hoffentlich empowernde Wirkung hat.
  • Eigentlich bewegen wir uns heute so gut wie gar nicht in DER hiphop Szene, viel mehr in einer queeren, feministischen Szene, die hiphop affin ist.
  • Aus Liebe zu hiphop, weil und obwohl wir Feministinnen sind.
  • Wir wollten ein Festival organisieren, wie wir uns eins gewünscht hätten, als wir selber mit 16, 17 Jahren auf unsere ersten hiphop Konzerte gegangen sind. Eins, wo nicht nur Typen auf der Bühne stehen und eins, wo auch mal Eine sagt: He du, willst du nicht auch mal einen Text schreiben? Oder vielleicht willst du auch mal an den Turntables stehen?

Warum ist es eurer Meinung nach wichtig, ein Hip Hop Festival queer-feministisch zu veranstalten?

  • Uns ging es darum den Beitrag von flti* zur Geschichte und im Heute des hiphop sichtbar zu machen.
  • Weil Selbstermächtigung und Emanzipation aus erlebten Unterdrückungsverhältnissen Elemente des hiphop UND des Feminismus sind.
  • hiphop hat heute ja auch in linken Kreisen Hochkonjunktur, bleibt aber auch dort oft männlich dominiert, was die Akteure, die Perspektiven und die Themen angeht.

    Wir wollen, dass andere Perspektiven, marginalisierte Positionen Raum haben und das sind in der Gesellschaft, in der wir leben: nicht-männliche, nicht-weiße und nicht-sexistische Positionen.

  • Wir finden, dass es sich lohnt, die Lyrics anzuhören und ihre politische Dimension zu würdigen. Insgesamt wünschen wir uns Austausch auch auf einer inhaltlichen Ebene.

Wie hat sich die Orga Gruppe zusammen gefunden? Wie setzt sie sich zusammen?

  • Viele von uns waren gemeinsam in feministischen und anti-rassistischen zusammenhängen aktiv. Andere haben wir angesprochen, weil wir wussten, dass sie sich für hiphop interessieren. Andere haben uns angesprochen. Die Orga-gruppe definiert sich als flti*.
  • Unsere Unterstützer_innen sind all gender. Eingeladen sind alle, die Lust auf ein feministisches hiphop Festival haben.

An was für Orten findet das Festival statt?

Das Festival findet in zwei selbstverwalteten, nicht-kommerziellen Räumen in Hannover – Nordstadt statt, dem UJZ Korn und der Sturmglocke. Alle Konzerte sind in barrierefreien Räumen, auch Geld soll am Eintritt keine Barriere darstellen. Wir wünschen uns von allen Besucher_innen, sich zu verhalten, wie es selbstverwaltete Räume brauchen, um zu angenehmen Orten für alle zu werden: D.h. nicht nur konsumieren, sondern auch selbst aktiv werden, auf andere achten, nicht beleidigend und verletztend auftreten.

Nach welchen Kriterien habt ihr die Acts eingeladen, bzw. sind auch Tourende darunter?

  • Ja, wem wollen wir eine Bühne geben? Schnell war klar: vor allem flti*. Gerne auch explizit feministisch, aber nicht zwingend, denn solche Kategorien sind ja auch schwierig. Dann haben wir gemerkt: wir laufen Gefahr, ein weiß-dominiertes Line-up zusammenzubasteln. Aus Gewohnheit, aus Unkenntnis, aus Unachtsamkeit? Da haben wir versucht, unseren Blick nochmal zu schärfen: wie verteilen wir unsere Aufmerksamkeit, wen kennen wir, wen finden wir gut, wen kennen wir nicht, wen übersehen wir? Es war klar, wir wollen kein weiß-dominiertes Line-up.
  • Es war kein besonders koordiniertes Booking, wir haben alle Wünsche eingebracht und Leute angeschrieben, Leute, die wir kannten, die wir schon mal live gesehen haben, die wir toll fanden. Wir freuen uns sehr auf alle Artists die kommen: bahati, tice, lena stoehrfaktor, esrap, mc moustaj, moona moon, fakné, presslufthanna und jess, fleur earth und g.g., dj ford kelly, lindas tante u.v.m.

Welche Workshops gibt es, muss mensch sich anmelden, um teilzunehmen?
Sind Workshops offen für alle oder flit* oder…?

  • Also Workshops gibt es folgende: Breakdance, Auflegen mit Vinyl, Hip Hop Dance, Spoken Word, Freestyle, Graffiti, Sprayen, Siebdruck, Tontechnik
  • Einige der Workshops sind open to all gender und einige sind flti*.
  • Manche Workshops sind mit begrenzter Teilnehmer_innenzahl, andere sind offen.
  • Die Anmeldung für die Workshops mit Teilnehmer_innenbegrenzung ist erst auf dem Festival möglich. Dann wird es Listen zum Eintragen geben.

     

     

    Gibt es Programmpunkte, die ihr gern drin gehabt hättet, aber aus bestimmten Gründen nicht realisieren konntet?

  • Ein Punkt ist, dass das Programm schon ziemlich volle ist und wir haben schon alle viel zu tun…
  • Es wird nicht nur Konzerte, DJ* Sets und Workshops geben, sondern auch mindestens eine Ausstellung: Black Womanhood von afrotak tv cybernomands. Wahrscheinlich gibt es sogar noch eine zweite Ausstellung.

    Ist es eigentlich das erste Festival dieser Art in grösserer Umgebung? Was gab es da vorher in die Richtung?

  • Tolle hiphop Konzerte von flti* gab es schon einige in den letzten Jahren. Aber ein ganzes Festival unseres Wissens noch nicht.
  • Eine feine feministische Sache in den letzten Jahren in Hannover waren die „kritischen tage mit dem herrschenden geschlechterverhältnis“, das hatte ein bisschen Festival – Charakter, aber mit hiphop hatte das nix zu tun. Manche aus dem Orga – Team haben da mitorganisiert.

    Meint ihr es gibt eine queere Hip Hop Szene? Gibt es da Entwicklungen?

  • Klar. Ohne Frage. Es gibt queere Menschen, die hiphop mögen, deswegen gibt’s auch eine queere hiphop Szene. Es gibt Feministinnen, die hiphop mögen. Es gibt MC*s und DJ*s, die queer sind oder feministisch oder beides. Also gibt es eine Szene, es gibt Bewegung auf jeden Fall.
  • Vor ein paar Tagen hat L. einen Text von vices et ralements déviants vom Französischen ins Deutsche übersetzt. Das ist ein toller queerer, kämpferischer Text und der steht auf unserer Internetseite.


    Seid ihr in der (hannoverschen) Hip Hop Szene damit angeeckt, das Festival queerfeministisch zu machen, oder bekommt ihr Solidarität? Wenn ja, aus welchen Ecken?

  • Alle, mit denen wir bisher gesprochen haben, fanden es super. Aber wie gesagt, sind wir in DER hiphop Szene auch nicht viel unterwegs, deswegen wissen wir nicht, ob es auch Kritik gibt. Mal sehen, wer alles vorbeikommt…
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